Mindeststandards: Organisatorische Resilienz

Worum geht es?

Was ist Resilienz?

Resilienz ist die Kunst, sich widrigen Umständen anzupassen und darin souverän zu agieren. Resilienz ist quasi das Gegenteil von Verwundbarkeit. Das Fördern der Resilienz beinhaltet Überlegungen, mit Krisen, Stress und Rückschlägen umzugehen. Das Ziel ist, bereits im Vorfeld wirksame Massnahmen zur Reduktion negativer Einflüsse sowie zur Verstärkung positiver Einflüsse zu setzen.

Dies zielt insbesondere auch auf die Entwicklung von Verhaltensweisen und Einstellungen des Einzelnen und in der Vorhabensarbeit. In unserem Fokus stehen die Fähigkeiten zur Interaktion mit der Umgebung und den Abläufen, welche das Wohlbefinden, die Belastbarkeit und ein selbständiges konstruktives Handeln fördern.

[ Handlungsfelder aus unternehmerischer Sicht ]

Was bewirkt Resilienz?

Die Förderung der Resilienz soll uns einen wesentlichen Beitrag leisten, die Fähigkeiten der Beteiligten zu entwickeln, sich zu erholen und und auf Herausforderungen und Veränderungen souverän zu agieren. Das Ziel ist die Förderung von:

  • Widerstandsfähigkeit
  • Regenerationsfähigkeit
  • Anpassbarkeit

Wie erkennen wir den Status?

Insbesondere drei Indikatoren zeigen uns den aktuellen Zustand:

  • Beeinflussbarkeit/Verletzbarkeit/Störbarkeit geübter Abläufe
  • Vertrauen zueinander im Vorhaben
  • Interaktions-Fähigkeit/-Grad im Team

Was unterscheidet Resilienz von Antifragilität?

Resilienzförderung greift oft sehr spät. Erst wenn negative Einflüsse und Störungen im grösseren Ausmass auftreten, wird oft daran gearbeitet, negative Ereignisse als Chance für emotionales Wachstum zu sehen („Sei resilient!“) und die Zumutungen zu akzeptieren. Es fehlt oft die proaktive Stärkung der Widerstandskräfte und Fähigkeiten, sich aktiv zu schützen.

Widrigen Umständen kann man mit guter Vorbereitung begegnen. So können wir bspw. bei der Gestaltung der Vorhabensarbeit stets auch die Robustheit und Flexibilität der Zusammenarbeit als „Soft Skills“ fördern. Damit entwickeln wir die Fähigkeiten, externe Störungen zu verkraften, ohne dass sich die Vorhabensarbeit wesentlich ändert.

Antifragilität geht weiter als Resilienzförderung. Während Resilienz danach strebt, die ursprüngliche Form wiederzuerlangen, nachdem es einer Belastung (kurzzeitig) ausgesetzt war, zielt das Antifragilitätskonzept auf kontinuierliche Verbesserung und Stärkung der Widerstandsfähigkeit in einem Umfeld andauernder Belastung sowie der Innovationsfähigkeit im Umgang mit Unordnung.

Antifragilität ist quasi das Gegenteil von Zerbrechlichkeit.

Resilienz in der Vorhabensarbeit fördern

Meine Top-5 der Massnahmen zur Förderung der Resilienz mufassen:

  1. klare Umsetzungsziele (vereinbart mit der Strategischen Ebene)
  2. Priorisiertes Backlog
  3. Pull-Prinzip
  4. WiP-Limit
  5. Themenowner-Ansatz

Wenn wir darüber hinaus Antifragilität fördern wollen, dann würde ich hier beim Aufgabenmix (Wertmaximierung hinsichtlich Innovation) im Vorhaben ansetzen und in der Themenentwicklung auf konsequentere Nutzung unseres geschaffenen Vorgehensmodells in Bezug auf Innovationsfähigkeit setzen.

Antifragilität in den Vorhaben fördern

Antifragilität im Unternehmen und in den Vorhaben zu fördern gelingt mit einer Kultur der kontinuierlichen Verbesserung und Innovation. Jeder im Vorhaben darf und sollte neue Ideen und Ansätze ausprobieren, und es muss „normal“ sein, aus gemachten Erfahrungen zu lernen.

Das bedeutet auch, dass Unternehmen und Vorhaben bereit sein müssen, Risiken einzugehen und experimentelle Initiativen zu unterstützen.

Durch das Nutzen von Feedback-Schleifen und agilen Methoden können wir in der Vorhabensarbeit unsere Abläufe und Produkte/Services stetig optimieren und so in stressigen Zeiten besser auf Veränderungen reagieren und diese zu unserem Vorteil nutzen.


Woher kommt der Begriff Organisatorische Resilienz?

Standards

Als Organisatorische Resilienz bezeichnet der Standard BS65000(2014) der British Standards Institution (BSI),

die Fähigkeit eines Unternehmens, auch in einem komplexen und dynamischen Umfeld den Wandel vorauszusehen, zu überleben und zu wachsen.

Es gibt entsprechend auch eine deutsche ISO-Norm 22316 für Resilienz. In Abschnitt 4.1 der Norm werden die Grundsätze für einen verbesserten Stand der Belastbarkeit aufgeführt:

Quelle: https://www.dinmedia.de/de/themenseiten/resilienz-in-unternehmen

Resilienz ist in der Definition der ISO-Normen kein unternehmerisches Steuerungselement, sondern das Ergebnis der Anwendung von Steuerungselementen, deren Anforderungen den Managementsystemnormen zu entnehmen sind.

Daher reicht es nicht, die ISO 22316 anzuwenden. Sie ist nur eine Hilfsnorm, die den Zusammenhang mit Empfehlungen beschreibt. 

Woran erkennt man Organisatorische Resilienz? Drei wesentliche Merkmale werden aufgeführt (Quelle Wikipedia):

Auslegungen

Eine resiliente Organisation erkennt man – in Anlehnung an den BSI-Standard – an einigen wesentlichen Merkmalen ihres Betriebs: Sie ist anpassungsfähig mit einer agilen Führungsspitze, die selbstbewusst leitet. Sie profitiert insbesondere von:

  • Strategische Anpassungsfähigkeit: Durch sie bleibt die Organisation unter geänderten Bedingungen erfolgreich handlungsfähig, auch wenn dies bedeutet, dass sie sich von ihrem Kerngeschäft entfernen muss.
  • agiler Führungsstil: Mit ihm können abgewogene Risiken selbstbewusst eingegangen und rasch in der gebotenen Weise sowohl auf Chancen als auch Bedrohungen reagiert werden.
  • solide Unternehmensführung: Sie demonstriert ein Verantwortungsbewusstsein auf allen Ebenen einer Organisation, das auf einer Kultur des Vertrauens, der Transparenz und Innovation basiert und so gewährleistet, dass die Organisation ihrer Vision und ihren Werten weiterhin treu bleibt.

Das Resilienzzentrum Schweiz bezieht sich auf die ISO-Norm und propagiert das Resilienzrad, beginnend mit der Stufe der Individuellen Resilienz über Team- und Führungs-Resilienz hin zur Resilienz in der Organisation.

Organisationale Resilienz ist die Fähigkeit einer Organisation, Veränderungen in der Umgebung aufzunehmen und sich an diese anzupassen, um ihre Ziele zu erreichen, zu überleben und zu gedeihen.

Hier werden die Schwerpunkte auf eine Resilienz-fördernde Organisationskultur, insbesondere die Fähigkeiten unter Herausforderungen sich erfolgreich zu entwickeln und betont die Aspekte Flexibilität, Lernfähigkeit, gegenseitige Unterstützung, Vertrauen sowie Erhaltung der Gesundheit und positive Einstellung ggü. Veränderungen.

Das Organisations-Rad soll Verantwortlichen dabei helfen, Resilienz im Unternehmen zu fördern. Es ermöglicht die Entwicklung von Resilienzprogrammen, die auf die spezifischen Bedürfnisse, Ziele, Grösse und Struktur verschiedener Organisationen und deren Umfeld zugeschnitten sind.

Etwas konkreter sind die Überlegungen des Beratungshauses Capgemini, hier spricht man von Adaptiven und resilienten Organisationen. Vorgestellt wird ein Vier-Stufen-Ansatz zur Organisationsentwicklung für Organisatorische Resilienz, der dazu einlädt, anhand der formulierten Ziele in vier Handlungsfeldern konkrete Massnahmen (KeyResults) zu setzen.

Quelle: https://www.capgemini.com/de-de/insights/blog/adaptive-und-resiliente-organisationen-erfolgreich-in-unsicheren-zeiten/